Dem Himmel so nah

Von unserem komfortablem Startpunkt aus wagten wir dann eine eigentlich auf 2-3 h ausgelegte Rundtour zum neben der Hütte gelegenen Gipfel des Rostocker Ecks. Der Hüttenwirt traute uns offensichtlich einiges zu. Sagte er doch, es sei mit Kind in der Trage sicher kein Problem. So sah das unser Sohn wohl auch. schlief er doch seelenruhig, als seine Mutter teilweise auf allen Vieren voller neuem Selbstvertrauen das Gipfelkreuz mit ihm erklomm (2.749 müNN). Die kleinen Stimmen der Übermuttis tauchten jedoch jäh wieder in meinem Kopf auf, als ich auf die andere Seite des Grates schaute. All mein Selbstvertrauen wandelte sich schlagartig in Panik und Selbstvorwürfe. Zum Glück behielt mein Mann die Ruhe und machte erstmal einen Eintrag ins Gipfelbuch. Ich nutzte die Zeit für ein demutsvolles und dankbares Gebet. Nach kurzer Pause, in der ich Jonathans riesigen Durst stillen und die Aussicht endlich etwas genießen konnte, hatte ich meine Gefühle wieder im Griff. Wir entschieden uns für den längeren, aber bekannten Weg, und stiegen auf dem selben Pfad ab, den wir gekommen waren. Eine gute Entscheidung. Fühlten wir uns so doch sicherer. Denn das ist in den Bergen wichtig, ob mit Kind oder ohne: Du musst dich sicher fühlen. Respekt ist gut, Angst gefährlich.

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Anja mit Jonathan voller Tatendrang

 

Jonathan genießt die Aussicht als wir nach dem steilen Abschnitt wieder auf sanften Pfaden wandeln.

Aufstieg mit Hindernissen – Naturgewalten in den Alpen

Die Alpen haben mich schon immer fasziniert. Diese Mischung aus sanfter Kulturlandschaft und machtvoller, göttlicher Energie haben mich schon als Kind beeindruckt. Damals musste ich noch mit wandern und fand es oft zu anstrengend. Aber ich kam immer mit einem Gefühl der inneren Ruhe und Zufriedenheit zurück. So als ob ich ganz richtig bin. Was könnte an diesem Gefühl falsch sein? Warum also sollte ich meinen Sohn nicht mitnehmen? Heißt es doch: Geht es der Mutter gut, geht es allen gut! Dennoch hatte ich Zweifel, ob ich mich und unseren Sohn nicht überfordern würde. Die Worte aus den Kreisen der besorgten Übermuttis verfolgten mich und kämpften in mir mit meiner Sehnsucht nach den Bergen. Aber zum Glück habe ich einen dickköpfigen Mann, der mich gut kennt. Er wusste besser als ich, wie gut es uns tun würde, in die Berge zu fahren und den nagenden Zweifeln zu entgehen. Und so kam es, dass Jonathan mit nur 7 1/2 Monaten den Himmel zum greifen nah war.

Das Ziel: Essener-Rostocker Hütte des DAV in Osttirol, Venediger Gruppe. Eine perfekte Basisstation mit Kind. Auf die auf 2.208 müNN gelegene Hütte kommt man nur zu Fuß. Es gibt jedoch eine Lastenseilbahn, sollte das Gepäck zu schwer sein. Ansonsten ist die Hütte mit mehreren Doppelbettzimmern, Warmwasser und Internetzugang ausgestattet. Zudem sind die Hüttenwirte sehr liebevoll und hilfsbereit.

Unser Aufstieg verlief zunächst sehr gut. Jan hatte diesmal Jonathan und sein eigenes Gepäck, ich meine Sachen und Windeln sowie Brei für Jonathan mit dabei. Schweres Gepäck (die reine Stillzeit war praktischer), aber die Option mit der Lastenseilbahn schlossen wir dennoch aus. Mein falscher Ehrgeiz überkam mich ;0). Kleiner Hinweis am Rande: für Wanderer mit Babys gelten natürlich die gleichen Regeln wie für alle. In den Alpen gibt es keine Müllabfuhr. D.h. beim Abstieg ist das Gepäck gleich schwer. Der Brei wird als volle Windeln selbstverständlich wieder mit ins Tal geschleppt 🙂

Nachdem Jan vorlief und an einem idyllischen Ort, den er von seiner Tour mit Geoffrey kannte, warten wollte. Genoss ich zunächst die grandiosen Natureindrücke bei meinem Anstieg. Gewaltige Wasserfälle und ein tosender Wildbach begleiteten meinen Weg vom Parkplatz am Ströden am Ende des Virgentales über die Stoanalm. Aber nach ca. einer Stunde machte sich das Gepäck und die Hitze des Tages bemerkbar. Eine Pause wär schön. Doch keine Jan in Sicht. er musste gerannt sein. etwa eine halbe Stunde später traf ich ein Päärchen, die mir freudig entgegenkamen mit der frohen Botschaft, dass mein Mann mit Sohn nicht weit weg auf mich warten würden. Erleichterung.

Nach einer gemeinsamen Pause ging es dann zu dritt weiter. Der Weg blieb landschaftlich idyllisch, wenn auch anstrengend. In der Ferne konnte man jedoch die Hütte bald sehen. Kurz vor der Querung des reißenden Baches ging es dann los. Das versprochene Hitzegewitter stürzte über uns hinein. Schnell die Regencapes über gezogen. Sosehr ich vorher gejammert und mich bei Jan beschwert hatte, dass wir doch gemeinsam laufen sollten, umso wichtiger war es mir nun, dass er schnell mit Jonathan voreilte, damit unser Sohn in die sichere Hütte kam. So beeindruckend die Naturgewalt eines Gewitters in den Bergen ist, aber Naturgewalt ist eben auch GEWALTIG!

Umso gemütlicher war danach das ankommen und die Begrüßung von der Hüttenwirtin Claudia. Vielen Dank an dieser Stelle für das gute Abendessen!

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Die Ruhe vor dem Sturm

 

Hay que llurar – Regen-Ponchos

Wetteraussicht: Es wird Regen geben!

Ein Zustand den wir im Baskenland im April diesen Jahres nie hatten, im Tagesgepäck alles für den Regen eingepackt und den Endpunkt der gestrigen Etappe als Startpunkt per PKW erreicht.

Was versteckt sich unter dem Poncho?
Was versteckt sich unter dem Poncho?
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Freundliche Buchen weisen uns den Weg
Der Muschelweg ist hier parallel mit dem Rhein Burgen Weg und dem Rheinhöhenweg. Wechselt aber zwischendurch mal zum einen oder anderen
Der Muschelweg ist hier parallel mit dem Rhein Burgen Weg und dem Rheinhöhenweg. Wechselt aber zwischendurch mal zum einen oder anderen

 

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Pause unter regendicht stehenden Fichten – Je achtsamer man ist, desto mehr Chancen ergeben sich

Frisches grünes Unterholz im Wald auf dem Weg. Wir begegnen: Niemanden auf 10km, außer einem Bonner Jäger der gegen 8:30h den Wald in Richtung Bonn verlässt und kurz über die tolle Morgenstimmung und Waldluft seit 5h berichtet.

Der heilige Franziskus schaut auf die Apollinaris-Kirche herunter. Sinnvollerweise vor der Kirche im Wald aufgestellt.
Der heilige Franziskus schaut auf die Apollinaris-Kirche herunter. Sinnvollerweise vor der Kirche im Wald aufgestellt.
Darauf blicken wir und der heilige Franzikus
Darauf blicken wir und der heilige Franzikus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Feiertag: Die Kirche ist auf und Anja und ich ziehen eine Segnungs-Karte vom heiligen Altar
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Zusätzlich werden wir zu Kaffee und Kuchen eingeladen

 

 

 

 

 

 

 

 

Jonathan ist zum dritten Mal innerhalb von sechs Monaten auf dem Arm einer im Kloster lebendenden Frau.
Jonathan ist zum dritten Mal innerhalb von sechs Monaten auf dem Arm einer im Kloster lebendenden Frau.
Wow, es gibt sogar einen Stempel!
Wow, es gibt sogar einen Stempel!

 

 

 

 

Kloster-Infos im Web

Wir sind beeindruckt von soviel Segnungen, dass wir unsere persönliche Mail-Wallfahrt mit einem guten Gefühl beenden und per Bahn und Auto wieder nach Hause fahren.

P.S.: Wir tauschen noch etwas Geld gegen ein schönes Buch und eine DVD im Klosterladen und entspannen den Rest des Tages.

In Spanien hätten wir das bei ähnlicher Wetterlage genauso gehandhabt, also wir wären gewandert, aber dann vielleicht nicht eine extra lange Tour, sondern eher angepasst an die Verhältnisse. Das Baby dabeizuhaben ist aber kein wirkliches Problem und man kann sicher sein, dass man immer einen trockenen Schutzplatz in der Natur oder einen von Menschen errichteten findet.

 

Back on the track – Jakobsweg von zu Hause starten

Uns hat die Wanderlust und dieser Pilgerweg noch nicht losgelassen und so beschließen wir anstatt in den Mai zu tanzen in den Mai zu pilgern.

Startpunkt: zu Hause

Endpunkt: Der Weg

Infos: linksrheinischer-jakobsweg.info

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Eine Concha über der Werbung für eine kölsche Nacht weist uns in Bad Godesberg den weiteren Weg
Anja auf der Fähre von Niederdollendorf nach Bad Godesberg
Anja auf der Fähre von Niederdollendorf nach Bad Godesberg
Wir holen einen Stempel bei der französischen Bäckerei EPI im Godesberger "Dorf-Zentrum"
Wir holen einen Stempel bei der französischen Bäckerei EPI im Godesberger “Dorf-Zentrum”

Obwohl ich diesen Teil des Weges schon einmal gelaufen bin, übersehe ich an einer Stelle ein Hinweisschild, welches beim letzten Mal kein Problem war.

“Jeder Weg ist neu zu entdecken, gerade wenn man meint ihn gut zu kennen.”

 

Last not least, Video-Eindruck vom super perfektem Wetter durch den Godesberger-Park

 

Bilbao neu erlebt

Am letzten Tag fahren wir mit den alsa Bus nach Bilbao, um sechs Stunden auch dort Touri-Sightseeing zu erleben (Anm. Bus fahren ist günstig, wir fahren für ca. 24 Euro hin- und zurück).

Das Bilbao Erlebnis als Tourist ohne 20km vorher auf dem Tacho ist doch viel angenehmer.

Es gibt schöne Parks im Zentrum und die Museumsausstellung ist auf sehr hohem Niveau. Sogar Babys können die Kunst Renoirs erspüren.

Ausstellung zum Mitmachen. Die Pinselstriche Renoirs nachfühlen (Nein, es ist nicht das Original!)

Im Museumsladen gibt es noch tolle Mitbringsel für die Herzdame, leider keine Überraschung, da sie zu wenig Geduld auf der Parkbank hat.
Schickes Mittagessen in der Nähe des Park Alba. Lammkeule im Holzkohle-Ofen -> super weiches Fleisch.

Das Guggenheim nehmen wir von außen noch wahr, ein Beweisfoto und Daumen hoch für diesen Bilbao-Eindruck frei von Unterkunfts- und semana Santa Streß

Die letzte Abendsonne vor dem Abflug. Im Hintergrund der Flughafen von Santander

 

 

…Last not least entspanntes Warten am Flughafen, draußen unter einer Palme

Sonne, Strand, Santander 

Das Ende war der Anfang. Unser Pilgerziel ist erreicht. Gestern kamen wir nach einem Pausentag an unserem Ziel Santander (de Compostela) an, dem Ort, von wo aus Jan letztes Jahr gestartet ist. Wir haben es tatsächlich geschafft, die fehlenden 270km zu erreichen (-44km, die wir geschwänzt haben).

Das schreit doch erstmal nach Relaxen am Strand und neuen Freundschaften.

Jonathan lernt Portugisiesisch
Baden im Atlantik
  • Ort: Santander
  • Unterkunft: Pilgerpension Isabel telf: 668553281
  • Kosten: 30 € im DZ

Der Kreis schließt sich – playa Sardinero – der Anfang ist das Ende

Damit kann man den Atlantik überqueren ….
Zwei müde Piraten in der Mittagssonne

Wir sehen uns ein Boot an, mit dessen Hilfe ggf. schon vorzeitlich Amerika entdeckt worden sein kann. In diesem Kontext nachgewiesen von einem kantabrischen Seemann 1970.

Genau das richtige für den Piraten Jonathan!

Wir wandern zu dem Strand von dem ich letztes Jahr gestartet bin, in der Hoffnung, dass ich das schöne Cafe mit angebunden Restaurant inkl. Meeresblick wiederentdecke.

Ich bin so begeistert, dass ich noch zwei Tage von meinem eigenen Jakobsweg 2016 in den Familienblog dazupacke – Der Anfang ist das Ende, hier der erste Blogeintrag vom letzten Jahr.

Entdeckt und wiedererkannt. Die Bedienung auch.

Für Nachahmer: Das Restaurant heißt maremondo und befindet sich direkt gegenüber dem Spielcasino von Santander.

Wir haben ein klasse Menu del Dia, es gibt pan integrale und leckeren Wein.Die Gerichte haben viel frischen Zutaten und die Ausicht stimmt auch.

Ein schönes Sonnenessen

Adios Ernesto – Kaixo amistad!

Freudiger Abschied von Güemes von Ernesto und seinen lieben Helfern.

Schönes Frühstück und schöner Abschied. Ich empfehle Jen, dass sie locker im späteren Verlauf den Camino Primitivo packen wird und erkläre das wir (spontan zusammengesetzte Gruppe) die schwierigste Stelle bei schlechtester Witterung geschafft haben (hier die beiden Blogeinträge).

Anja wandert mit Jen und ich mit einem gemütlichen Badenser. Ich erfahre, dass er nicht so genau weiß wie lange er noch körperlich fit genug ist, solche Naturerlebnisse zu erfahren und um sich die Wanderung leisten zu können, hat er mit Rauchen aufgehört.

Das ist so gesehen zweifach segensreich und der Camino belohnt uns mit solchen Aussichten:

Unverbaute Sicht auf diese Bucht. Super Wetterlage und gute Stimmung.
Außer Kühen befindet sich nichts an dieser Steilküste

Nach 4h werd ich langsam müde und wir machen Pause am Strand, an denen auch eine sympathische baskische, naturnahe Familie Urlaub mit Kindern und Hund macht.

Zu meiner Augenfreude läuft die Mutter entspannt nackt herum und zu Anjas Augenfreude trägt der dazugehörige  Mann einen Bart und hat keinen Bierbauchansatz ;-).

Die Kinder heißen auf baskisch Erde und Himmel. Der Mann empfiehlt uns zum Mittag eine sehr versteckte Tasca hinter dem Campingplatz mit grünem Garten. Er schubst uns in die richtige Richtung und nach dreimal Nachfragen (Einheimische geben auch nicht immer zu etwas nicht zu wissen), sind wir dort.

Anja spielt mit Jonathan unter einem schattigen Baum.

Die Speisekarte ist simpel, die Fleischsorte (Entrecot, etc) wird in Kilo verkauft, und dass es irgendwelche Beilagen gibt, ist selbstverständlich und nicht weiter für die Speisekarte erwähnenswert.

Perfekt! Dann also ein halbes Kilo Entrecot und zweimal Besteck!

Der Ort mit dem Garten ist optimal und kein bisschen kommerziell.

Wer es selber finden mag: “La Tasca de Kiskilla”, Blog-Empfehlung und der genaue Google Map Eintrag.

Die Besitzerin der Tasca gibt uns für den weiteren Verlauf den Tipp zwischen Strand und Straße im Schatten einer Bewaldung zu laufen, falls ich ihr nicht glauben sollte, würde sie mir Beweisfotos offenbaren. Alles gut! Die Person besitzt mein Vertrauen und wir finden den genannten Pfad.

kleines Wäldchen oberhalb von Loredo Richtung Somo.Einige Pfade schlängeln hier durch.

Nach der Überfahrt mit der Fähre erreichen wir unser Ziel Santander und können es kaum glauben, dass wir bis zu meinem Startpunkt vom letzten Herbst gelangt sind.

 

 

 

Mini-Details: Die Wegführung in Santander funktioniert ab dem Anleger ohne die Straßenseite zu wechseln. Das Biergeschäft unterhalb der Pension Isabel ist mittlerweile zu.

Isabel gibt uns noch Spielzeug für den Kleinen und glaubt eigentlich nicht, dass wir im Fall von Regen weiterwandern würden. Naja, wir mussten es bei dieser Tour auch nicht unter Beweis stellen 😉

Anja und die Wegbilder – Eure Füße sind Eure Werkzeuge

Wir nutzen den Tag Pause und lassen uns etwas auf Ernestos Garten und Gesinnung ein. Anja erklärt mir die gelungenen Malereien in der Gartenkapelle.

Jonathan entdeckt den hier überall angepflanzten Rosmarin.