Die Alpen haben mich schon immer fasziniert. Diese Mischung aus sanfter Kulturlandschaft und machtvoller, göttlicher Energie haben mich schon als Kind beeindruckt. Damals musste ich noch mit wandern und fand es oft zu anstrengend. Aber ich kam immer mit einem Gefühl der inneren Ruhe und Zufriedenheit zurück. So als ob ich ganz richtig bin. Was könnte an diesem Gefühl falsch sein? Warum also sollte ich meinen Sohn nicht mitnehmen? Heißt es doch: Geht es der Mutter gut, geht es allen gut! Dennoch hatte ich Zweifel, ob ich mich und unseren Sohn nicht überfordern würde. Die Worte aus den Kreisen der besorgten Übermuttis verfolgten mich und kämpften in mir mit meiner Sehnsucht nach den Bergen. Aber zum Glück habe ich einen dickköpfigen Mann, der mich gut kennt. Er wusste besser als ich, wie gut es uns tun würde, in die Berge zu fahren und den nagenden Zweifeln zu entgehen. Und so kam es, dass Jonathan mit nur 7 1/2 Monaten den Himmel zum greifen nah war.
Das Ziel: Essener-Rostocker Hütte des DAV in Osttirol, Venediger Gruppe. Eine perfekte Basisstation mit Kind. Auf die auf 2.208 müNN gelegene Hütte kommt man nur zu Fuß. Es gibt jedoch eine Lastenseilbahn, sollte das Gepäck zu schwer sein. Ansonsten ist die Hütte mit mehreren Doppelbettzimmern, Warmwasser und Internetzugang ausgestattet. Zudem sind die Hüttenwirte sehr liebevoll und hilfsbereit.
Unser Aufstieg verlief zunächst sehr gut. Jan hatte diesmal Jonathan und sein eigenes Gepäck, ich meine Sachen und Windeln sowie Brei für Jonathan mit dabei. Schweres Gepäck (die reine Stillzeit war praktischer), aber die Option mit der Lastenseilbahn schlossen wir dennoch aus. Mein falscher Ehrgeiz überkam mich ;0). Kleiner Hinweis am Rande: für Wanderer mit Babys gelten natürlich die gleichen Regeln wie für alle. In den Alpen gibt es keine Müllabfuhr. D.h. beim Abstieg ist das Gepäck gleich schwer. Der Brei wird als volle Windeln selbstverständlich wieder mit ins Tal geschleppt 🙂
Nachdem Jan vorlief und an einem idyllischen Ort, den er von seiner Tour mit Geoffrey kannte, warten wollte. Genoss ich zunächst die grandiosen Natureindrücke bei meinem Anstieg. Gewaltige Wasserfälle und ein tosender Wildbach begleiteten meinen Weg vom Parkplatz am Ströden am Ende des Virgentales über die Stoanalm. Aber nach ca. einer Stunde machte sich das Gepäck und die Hitze des Tages bemerkbar. Eine Pause wär schön. Doch keine Jan in Sicht. er musste gerannt sein. etwa eine halbe Stunde später traf ich ein Päärchen, die mir freudig entgegenkamen mit der frohen Botschaft, dass mein Mann mit Sohn nicht weit weg auf mich warten würden. Erleichterung.
Nach einer gemeinsamen Pause ging es dann zu dritt weiter. Der Weg blieb landschaftlich idyllisch, wenn auch anstrengend. In der Ferne konnte man jedoch die Hütte bald sehen. Kurz vor der Querung des reißenden Baches ging es dann los. Das versprochene Hitzegewitter stürzte über uns hinein. Schnell die Regencapes über gezogen. Sosehr ich vorher gejammert und mich bei Jan beschwert hatte, dass wir doch gemeinsam laufen sollten, umso wichtiger war es mir nun, dass er schnell mit Jonathan voreilte, damit unser Sohn in die sichere Hütte kam. So beeindruckend die Naturgewalt eines Gewitters in den Bergen ist, aber Naturgewalt ist eben auch GEWALTIG!
Umso gemütlicher war danach das ankommen und die Begrüßung von der Hüttenwirtin Claudia. Vielen Dank an dieser Stelle für das gute Abendessen!
